Mittwoch, März 15, 2006

CeBIT 2006: Aller guten Dinge sind drei

Autor: Marc Kersten - Datum: 15.03.2006
Kategorien: Handy / Windows CE / WM5 / Gigabyte

Mangelnde Innovationsfreude kann man dem taiwanischen Mainboardhersteller Gigabyte nun wirklich nicht vorwerfen: Mit dem g-Smart und g-Smart i zeigte die Firma auf der CeBIT ihre beiden ersten Pocket PC Handys, die mit eingebautem UKW-Radio und analogem PAL/NTSC-Fernsehempfänger die etablierte Konkurrenz wie Langweiler aussehen lassen. Dank eigens für die Geräte programmierter Software stehen erstmals auch ein Anrufbeantworter und die Möglichkeit, Telefongespräche aufzuzeichnen, auf einem Windows Mobile Gerät zur Verfügung. Offenbar hat Gigabyte sich vorher eine Menge Gedanken gemacht, was Handynutzer wirklich wollen. Wenn man da nicht etwas Wichtiges vergessen hätte...

Denn aller guten Dinge sind drei, außer, wenn es um die Texteingabe auf Handys geht. Da möchte man ungern drei Mal dieselbe Taste drücken, um einen mageren Buchstaben ins Leben zu rufen. T9 heißt das Zauberwort, das Millionen Handynutzer glücklich macht und SMS-Orgien um bis zu 75% beschleunigt. Bei Gigabyte hat man das geflissentlich übersehen. Das g-Smart bietet zwar eine ausziehbare Zifferntastatur, doch nach einer automatischen Wortvervollständigung sucht man vergeblich. Noch. "Wir haben bisher die hohen Lizenzkosten für T9 vermeiden wollen, werden uns bei entsprechender Nachfrage allerdings bemühen, eine Form von Wortvervollständigung nachzuliefern", erklärt die zuständige Produktmanagerin.

Das wird auch nötig sein, wenn der angekündigte Deutschlandstart im April erfolgreich sein soll. Zum Preis von ca. 670,- Euro will man den für Pocket PC-Verhältnisse sehr kleinen Slider an den Mann und an die Frau bringen und dafür neben den eigenen Distributoren auch neue Vertriebspartner im Handybereich finden. Mit den Netzbetreibern stehe man ebenfalls in Verhandlungen.

Wer sich Sorgen macht, dass Radio, TV, Wireless LAN (802.11b) und Bluetooth (mit Stereo-Output) die Nutzung des Geräts zu einem kurzen Vergnügen machen könnten, sollte den Kauf der optionalen 1300 mAh Batterie einplanen, die eine 55% höhere Kapazität hat als der mitgelieferte Standard-Akku. "Dadurch wird das Gerät etwa 2-3mm dicker", so Larry Tsai, der für das Produkt zuständige Softwareentwickler bei Gigabyte. Es sehe dadurch aber keineswegs aus wie ein "schwangerer Wal" wie manch einer spekuliert habe. Mit der erweiterten Batterie halte das Gerät acht Stunden beim Abspielen von Videos durch, beziehungsweise 12 Stunden im MP3-Betrieb bei ausgeschalteter Hintergrundbeleuchtung. Angaben, die wir nach Erhalt eines Testgerätes nachprüfen werden.

Ein weiterer Nachteil des Geräts ist die Ausstattung mit lediglich 64 MB nichtflüchtigem Speicher, der bereits überwiegend vom Betriebssystem (Windows Mobile 5) und den vorinstallierten Anwendungen belegt ist. Die Benutzung einer MiniSD-Speicherkarte ist deshalb fast umumgänglich, in Asien liefert Gigabyte das Gerät komplett mit einer 256 MB Karte aus.

Da der Radio und Fernsehempfang nur bei eingestecktem Kopfhörer funktioniert und der dafür vorgesehene Anschluss ein Gigabyte-spezifisches Format hat, kommen Anwender nicht um die Benutzung der mitgelieferten Sprechgarnitur herum. Was allerdings alles andere als schlimm ist, bietet sie doch die Möglichkeit, per 3,5mm Klinkenstecker einen eigenen qualitativ hochwertigen Kopfhörer zu benutzen. Das Mikrofon befindet sich im unteren, mit dem Gerät verbundenen Kabelteil. Warum i-teq sein baugleiches Gerät unter dem Namen "BOND" augenscheinlich mit einem anderen Headset vertreibt ist unklar.

Für die Zukunft verspricht Larry Tsai noch so einige Überraschungen. In der zweiten Jahreshälfte werde man bereits mit einem dritten Gerät auf den Markt kommen, das unter anderem vier Mal so viel Speicher besitze und mit dem Datenturbo UMTS ausgestattet sei. Weitere Nachfragen kommentierte Tsai mit einem vielsagenden Grinsen. Man darf wohl gespannt sein.

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